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Aus Hannover nach New York … :

Hannelore Lyda, „Sandy“ und der New York City Marathon 2012

Von Marieke Lyda. Vor drei Jahren hatte meine Mutter Hannelore Lyda die Idee, den New York City Marathon zu laufen. Und als sie mich fragte, ob ich sie begleiten wĂŒrde, sagte ich natĂŒrlich sofort zu! Aus dem einen oder anderen Grund meldete meine Mutter sich erst im FrĂŒhling 2012 fĂŒr den 43. New York City Marathon an und wir buchten FlĂŒge und Unterkunft ĂŒber einen deutschen Laufreisen-Veranstalter. Unser fĂŒnftĂ€giger Aufenthalt sollte ein unvergessliches Erlebnis werden. Der Marathon stand dabei im Mittelpunkt. Doch dann kam alles ganz anders.

Der Wirbelsturm „Sandy“ hatte an der OstkĂŒste Amerikas fĂŒr Chaos gesorgt. Zahlreiche FlĂŒge wurden storniert, viele Gegenden standen unter Wasser und hatten keinen Strom. Auch unser gebuchtes Hotel war evakuiert worden. GlĂŒcklicherweise fand unser Flug planmĂ€ĂŸig statt, so dass wir am Donnerstag in New York ankamen. Als Ersatz hatte der Reiseveranstalter ein Zimmer in einem Hotel im bekannten Stadtbezirk Hell’s Kitchen besorgt. Wir hĂ€tten nicht zufriedener sein können, dank herrlichem Ausblick auf den Hudson River und den kurzen Strecken zu Fuß zum Times Square, Central Park und den meisten SehenswĂŒrdigkeiten. Noch am selben Abend gingen wir auf die Marathon-Expo, um Hannelores Startnummer abzuholen. Die Stimmung hier schien heiter, alle freuten sich auf den Lauf.

Am Freitagmorgen sammelte unser Reiseleiter Nils Krekenbaum uns in den verschiedenen Hotels ein, um dann einen gemĂŒtlichen Lauf zum Zielbereich im Central Park zu machen. Den Rest des Tages verbrachten meine Mutter und ich mit „Sightseeing“. Unter anderem machten wir eine fantastische Bootsfahrt rund um Manhattan und an der Freiheitsstatue vorbei. Abends besuchten wir die Aussichtsplattform auf dem Rockefeller Center.

Den von unserer Reiseleitung angebotenen FrĂŒhstĂŒckslauf am Samstag ließ meine Mutter ausfallen, da sie sich fĂŒr den bevorstehenden Marathon schonen wollte. WĂ€hrend des FrĂŒh stĂŒcks schaltete ich den Fernseher in unserem Zimmer an, und hörte plötzlich, dass der Marathon abgesagt worden sei! Ich konnte es erst gar nicht glauben. Meiner Mutter verschlug diese Nachricht zunĂ€chst auch die Sprache, doch dann sagte sie mit Entschlossenheit, dass wir jetzt halt einen Tag mehr zum Sightseeing hĂ€tten. NatĂŒrlich war sie enttĂ€uscht, aber wir konnten beide verstehen, warum der Lauf abgesagt wurde. FĂŒr die Amerikaner, die von dem Sturm betroffen waren und immer noch unter den Folgen litten (große Teile New Jerseys und anderer Gegenden hatten zum Beispiel immer noch keinen Strom) wĂ€re es ein Affront gewesen, hĂ€tte der Lauf stattgefunden. Eigentlich hĂ€tte man den Marathon schon zu Beginn der Woche absagen sollen. Viele der LĂ€ufer hĂ€tten dann vielleicht ihre Reisen storniert und wĂ€ren zu Hause geblieben.

Nun – da der Lauf nicht stattfinden wĂŒrde, wollten meine Mutter und ich so viel von New York sehen, wie möglich. Gleich am Samstagvormittag begaben wir uns auf das Empire State Building und genossen bei strahlendem Sonnenschein die Aussicht ĂŒber die Stadt. Außerdem verbrachten wir Zeit im Museum of Modern Art und im Metropolitan Museum of Art.

FĂŒr Sonntag hatte unser Reiseleiter Nils fĂŒr die Marathonteilnehmer unserer Gruppe einen langen Lauf (26 bis 30 km) geplant, den meine Mutter natĂŒrlich mitmachte. Sie liefen bis nach Downtown, wo sie vom Battery Park aus (der ein paar Tage zuvor noch unter Wasser stand) mit der FĂ€hre zur Liberty Island fuhren und sich die Freiheitsstatue aus der NĂ€he anschauten. Auf dem RĂŒckweg liefen sie bis zum Central Park und drehten hier noch eine kleine Runde. Die Stimmung soll den ganzen Tag lang wohl super gewesen sein. Überall (und besonders im Central Park) waren Gruppen von LĂ€ufern unterwegs, teilweise in ihren offiziellen Marathon-Shirts und manche sogar mit Startnummer. Ich verbrachte den Tag alleine und legte fast die gleiche Strecke wie meine Mutter zu Fuß zurĂŒck. Mein Spaziergang fĂŒhrte mich durch Greenwich Village und Soho runter nach Downtown, zur Wall Street und am 9/11 Memorial vorbei.

Am Montagmorgen hatte Hannelore noch einmal die Möglichkeit, mit der Gruppe einen Lauf im Central Park zu machen. Von den Kilometern her hat sie in den vier Tagen bestimmt auch einen Marathon zurĂŒckgelegt. Den Rest des Vormittags verbrachten wir dann noch im Museum of Natural History Museum. Nachmittags traten wir bereits wieder unseren RĂŒckflug an. Auch wenn unser Urlaub ein wenig anders verlief, als geplant war, werden wir die fĂŒnf Tage in NYC in bester Erinnerung halten.

(Marieke Lyda hat von 2006-2010 in London studiert, wo sie weiterhin lebt und arbeitet.)

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