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„Brown Sugar“ im Salzschacht – Laufen im Bergwerk

Als Lothar JĂ€ger, der Senior von Dets friends, vor etwa zehn Jahren erstmals von Laufen unter Tage hörte …

Als Lothar JĂ€ger, der Senior von Dets friends, vor etwa zehn Jahren erstmals von Laufen unter Tage hörte, waren „hirnrissig“ und „balla balla“ seine mildesten Kommentare. Aber es kam anders, als er mit einem langjĂ€hrigen Hamburger Freund wieder gemeinsam starten wollte, es sollte wieder ein besonderes Erlebnislauf sein – siehe seine Lauferlebnisse an der CĂŽte d’Azur

http://www.laufshop.de/es-geht-voran-an-der-cote-d%C2%B4azur/ und in den Niederlanden

http://www.laufshop.de/mitte-januar-einen-sonnenbrand-geholt/ oder in San Sebastian im Baskenland.

Da kam der 9. Merkerser Kristallmarathon mit 500 Teilnehmern ins GesprĂ€ch. Da der limitiert und schnell ausgebucht ist, hat Lothar – sich selbst ĂŒberraschend – sofort zugesagt, denn mit seinem Lauffreund verbinden ihn gefĂŒhlt fast 100 gemeinsame LĂ€ufe mit etlichen tollen Erinnerungen (z. B. auf Bornholm, in Connemara).

Also warum eigentlich nicht? Man kann sich einen Lauf im Bergwerk auch damit schönreden, dass es unter Tage schön warm ist, nicht regnet und stĂŒrmt. Wann hat man das in unseren Breitengraden schon im Februar? Außerdem war er noch nicht in ThĂŒringen, wo beide im schönen Kurort Bad Salzungen auch das Wochenende verbringen wollten.

Veranstaltungsort ist das nach der Wende stillgelegte Kali-Bergwerk Merkers nahe Eisenach. Hier waren zu DDR-Zeiten fast 2.000 Bergleute beschĂ€ftigt. Das unterirdische Abbaugebiet erstreckte sich ĂŒber eine FlĂ€che so groß wie Hannover und die Stollen unter Tage ergeben zusammen eine LĂ€nge von 4.600 km. Der Laufkurs hatte davon gerade einmal 3,3 km. Heute finden in diesem „Erlebnisbergwerk Merkers“ Besichtigungen, Firmenevents und insbesondere Klassik- sowie Rockkonzerte in einer kathedralenartigen riesigen Höhle mit einzigartiger Akustik statt. In diesem „Großbunker“ war somit viel Platz fĂŒr Start und Ziel, zum Umkleiden und fĂŒr die Gastronomie.

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Zum Start muss man 500 Meter tief in den Berg einfahren. Zum Vergleich: Das Empire State Building ist „nur“ 381 Meter hoch. FörderkorbĂ€hnliche FahrstĂŒhle brachten uns zu einem Stollen, wo es nach dem Ausstieg „Umsteigen“ auf die LadeflĂ€che eines kleinen LKWs hieß. Ach ja, in die Tiefe kam man nur mit Helm und Stirnlampe. Die uns begleitenden Bergleute haben streng auf die Helmpflicht geachtet.

Kaum hatte sich der LKW in Bewegung gesetzt, schnallte Lothar sofort den Helm enger und zog den Kopf ein, denn es ging ziemlich zĂŒgig (mehr als 30 km/h werden es aber nicht gewesen sein) durch die StollengĂ€nge. Ein nur wenig grĂ¶ĂŸeres Fahrzeug hĂ€tte da nicht durchgepasst. Nach zahlreichen Kurven, An- und Abstiegen erreichten sie den bereits erwĂ€hnten Großbunker, den Start- und Zielbereich.

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Ungewohnt, aber in keineswegs unangenehm, ist die Temperatur in 500 Tiefe: 21 Grad warm bei weniger als 20 % Luftfeuchte. Das Salzgestein sorgt fĂŒr diese trockene Luft, die fĂŒrs Laufen angenehm ist und man nicht so sehr schwitzt. Allerdings wird der Hals schnell trocken, so dass kaum ein LĂ€ufer die beiden GetrĂ€nkestationen in jeder 3,3 km-Runde ausgelassen hat. Die Luft unter Tage ist unerwartet sauber, es gibt nicht einmal Feinstaub; Turbinen sorgen im ĂŒbrigen an manchen Stellen fĂŒr einen leichten angenehmen Wind. Auf den Schein der Kopflampe verzichteten letztlich doch recht viele, da die Strecke durch Neonröhren an der Decke noch hinreichend ausgeleuchtet wird und erkennbar bleibt. Die BefĂŒrchtung, dass der auf dem Kopf beim Laufen ungewohnte Helm vielleicht störend sein könnte, erwies sich als unbegrĂŒndet; man spĂŒrt ihn einfach nicht, auch weil die Strecke die volle Konzentration fordert.

Neben einem 10-er und dem Marathon wurde ein 23 km-Lauf ĂŒber sieben Runden angeboten, an dem 189 Teilnehmern an den Start gingen. Besonders die erste Runde war spannend, weil man nicht wusste, was einen erwartet, da die LĂ€ufer vor dem Lauf die „Höhle“ nicht verlassen durften. Auf der Strecke war man bereits nach wenigen hundert Metern schlauer: die Runde ist durchgĂ€ngig kurvig und hĂŒgelig, nur der Start-/Zielbereich ist halbwegs eben. Unterwegs quĂ€lt man sich ĂŒber kurze, steile An- und Abstiege von bis zu 15 Prozent. Eine Runde hat exakt 55 Höhenmeter, was in der Summe mit fast 400 Meter Höhenmetern schon einem kleinen Berglauf entspricht.

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Als mehrfacher Rennsteigteilnehmer bemerkte Lothars Lauffreund unterwegs, dass ihm das Streckenprofil stark an den Rennsteig erinnere – nur ohne BĂ€ume! Der Untergrund ist felsig und leicht zerfurcht, also beinhart – wie sollte es denn im Bergwerk auch anders sein. Aufgrund der silbrigen Farbe des Salzgesteins erscheint der Boden vielfach glatt, ist aber eher stumpf. Darauf lĂ€sst sich relativ gut laufen. StraßenlĂ€ufe auf Asphalt sieht Lothar jetzt mit ganz anderen Augen, da ihm noch Tage spĂ€ter die FĂŒĂŸe schmerzten. Auch der „Abrieb“ an den Laufschuhen ist nicht zu ĂŒbersehen. Da sind doch in KĂŒrze ein Paar neue Laufschuhe fĂ€llig.

Im Übrigen ist die Strecke hervorragend markiert. Die Gefahr, von ihr abzugeraten und in einem dunklen Stollen „zu verschwinden“, ist nahezu ausgeschlossen, zumal auch Bergleute unterwegs aufpassen. Ein kleines Highlight etwa zur RundenhĂ€lfte ist die bunt ausgeleuchtete Verpflegungsstelle, die auch mit Musik aufwartet. Stimmung und AtmosphĂ€re auf der Runde – viele Helmlichter scheinen vor einem im Dunkeln „zu tanzen“ – sind schon wegen der zahlreichen Besonderheiten dieses Laufes in der Tiefe beeindruckend.

Lothar wollte den Lauf mit seinem Freund gemeinsam anzugehen und auch zu beenden. Die spĂ€tere Auswertung der Rundenzeiten des Veranstalters zeigt unser gleichmĂ€ĂŸig stabiles Tempo um 5:30 min./km. Doch in der letzten Runde musste er ihm ab der letzten Verpflegungsstation doch wegziehen: Aus den Musikboxen dröhnte gerade „Brown Sugar“ – fĂŒr Lothar als alten Rolling Stones-Fan geradezu wie bestellt. Der Song hat derart beflĂŒgelt, dass ungeahnte Reserven mich zu einem Schlussspurt angetrieben haben, fast wie frĂŒher als jugendlicher Mittelstreckler.

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Überraschend wurden Lothar und sein Freund im Rahmen der Siegerehrung auf die BĂŒhne gebeten, um die Urkunden fĂŒr PlĂ€tze 2 und 3 in der Alterswertung entgegen zu nehmen. Mit den PlĂ€tzen 70 und 72 bei 179 Finishern waren sie sportlich sehr zufrieden, zumal sie auf einen Halbmarathon gute 1:54 Std. gelaufen sind.

Ach ja, nach der Siegerehrung wurde gleich vor Ort, also noch unter Tage, mit einem Pils angestoßen und der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, fĂŒr das einmalige Erlebnis gedankt. Die Frage, warum im Kalibergwerk, wo es nach Salz riecht und man permanent auch Salz auf der Zunge schmeckt, gerade „Brown Sugar“ ertönt, hat Barbara nicht beantwortet und wird wohl fĂŒr immer unbeantwortet bleiben.

Über das Kaliwerk Merkers:

http://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnisbergwerk_Merkers

www.erlebnisbergwerk.de/de/index.html

Über den Merkerser Kristallmarathon:

buehne-kristallmarathon

www.erlebnisbergwerk.de/de/veranstaltungen/sport/kristallmarathon.html

und www.werrataltriathlon.de/tri/php/gen_1200.htm