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„Es geht voran“ an der Cîte d®Azur

Lothar JĂ€ger lĂ€uft den Marathon „against the wind“

Schon vor Jahren wollte Lothar JĂ€ger sich eingestehen: 25 Marathons sind genug. Du bist Ă€lter geworden, langsamer, musst dir nichts mehr beweisen. Lass‘ es einfach und ein Halber ist auch ganz schön. Aber wie das mit VorsĂ€tzen so ist: Meistens werden sie gebrochen! Die „Versuchung“, doch noch einen zu laufen, kommt bei Lothar immer im Sommer. Doch dann sind ĂŒberzeugende Argumente schnell zur Hand: interessante StĂ€dtereise, schöne und flache Strecke, milde Herbsttemperaturen. Diese Vorgaben hatten die HerbstlĂ€ufe in den vergangenen Jahren in Florenz, Lissabon und Valencia auch erfĂŒllt, so dass es fĂŒr den Herbst 2013 wieder keine Ausrede gab, zumal ein Reiseziel schnell lockte: die CĂŽte dÂŽAzur – von Nizza nach Cannes!

Eine Punkt-zu-Punkt-Strecke direkt an der MittelmeerkĂŒste mit nur leichten Steigungen bei voraussichtlichen Temperaturen zwischen 12 bis 20 Grad versprach bei hinreichendem Training ein tolles Lauferlebnis. Es kam etwas anders, zumal Lothar völlig ĂŒberraschend von Bob Seger begleitet wurde. Doch zunĂ€chst auf „Start“.

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Es war bereits die sechste Veranstaltung und gut organisiert. Die Marathonmesse fand auf der sehr schönen Uferpromenade von Nizza statt, also direkt am Mittelmeer, wo auch der Start erfolgte. Bei lĂ€uferfreundlichen 10 Grad ging es morgens um 8.00 Uhr fĂŒr die fast 8.000 Teilnehmer durch kleinere KĂŒstenorte in Richtung Cannes. Die Reichen und Schönen der CĂŽte d’Azur hatten ihre Villen entweder saisonbedingt verlassen oder kreuzten mit ihren Yachten auf dem Mittelmeer. So war die Zuschauerresonanz mit Ausnahme des reizvollsten Streckenabschnitts in dem StĂ€dtchen Antibes sowie auf der Zielgeraden auf der Strandpromenade von Cannes ĂŒberschaubar. Einige Musikgruppen sorgten unterwegs fĂŒr etwas Stimmung. Dass im Vorbeilaufen eine französische Version von „Es geht voran“ bei einer Band zu hören war, kann nur Zufall gewesen, denn es waren nur wenige Deutsche im Feld. Lothar hat es jedenfalls sehr erheitert, und er hat sich die Frage gestellt, ob „Fehlfarben“ auch die GEMA-Abgabe erhĂ€lt.

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Auf einer Homepage fĂŒr Surfer hatte Lothar sich vorab ĂŒber das zu erwartende Wetter informiert: trocken, maximal 20 Grad, Westwind StĂ€rke 7 bis 8, zeitweise böig. Bei der Laufrichtung exakt nach Westen und immer auf der KĂŒstenstraße war die Herausforderung vorprogrammiert. Als dann bei etwa Kilometer 25 immer noch der angenehme Hauch eines lauen und kĂŒhlenden LĂŒftchens zu spĂŒren war, hat Lothar sich ĂŒber Wettervorhersage der Franzosen lustig gemacht, zumal er gut im Plan lief und somit locker unter vier Stunden bleiben wĂŒrde.

Ohne die AllgemeinplĂ€tze wie der Marathon geht ĂŒber 42 Kilometer usw. strapazieren zu wollen: Es kam wie es wohl kommen sollte. Plötzlich blies ein starker Westwind den LĂ€ufern ins Gesicht. Dass ab jetzt immer wieder kleinere LĂ€ufer (warum eigentlich keine LĂ€uferinnen?) hinter Lothar Windschatten gesucht haben, konnte er nicht verstehen. Er hat zwar eher eine lĂ€ngere Gestalt, biete in der Breite aber wahrlich keinen großen Schutz. Wie verzweifelt mĂŒsse diese – in Fachjargon der Radrennfahrer – „Hinterradlutscher“ denn gewesen sein, sich gerade hinter ihm zu verstecken.

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Der Wind hat das Feld wie vorhergesagt bis ins Ziel begleitet, besser ausgedrĂŒckt: entgegen geweht. Außerdem wirbelten die Windböen manchmal auch den Sand vom Strand auf. Die Sicht war dann zeitweise eingeschrĂ€nkt, zudem gab es so auch ein kostenloses Gesichts- Peeling. Wer dann noch mit offenem Mund unterwegs war, der konnte sich auch seine ZĂ€hne sandstrahlen lassen.

In einigen besonders windanfĂ€lligen Streckenabschnitten konnte man bei gutem Willen noch von „Laufen“ sprechen, besser ausgedrĂŒckt aber von einer „VorwĂ€rtsbewegung“. Wenngleich ich durchaus noch Kondition verspĂŒrte, signalisierten meine Beine mir Folgendes: Warum sind die Schritte so kurz, der stark vorgebeugte Oberkörper passt nicht zu unserem Laufstil, so wollen wir nicht laufen, so werden wir auch nicht weiterlaufen!

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Ein Marathon wird gelaufen. Gehen gehört nicht dazu, denn das kann jeder. Nach dieser Devise wird bis ins Ziel gekĂ€mpft. Außerdem soll man allein schon fĂŒr sein SelbstwertgefĂŒhl auch die KĂ€mpfe fĂŒhren, die nicht zu gewinnen sind. Diese Gedanken schießen einem durch den Kopf und plötzlich geht man doch. Kurzum: Lothars Wille war bei Kilometer 34 gebrochen, seine Stimmung wie sein Blick am Boden. Warum ihm dann wĂ€hrend der Gehpause eine Zeile eines Bob Segers Hit: „I’m older now but still running against the wind“, ein Song aus den 80er, den er lĂ€ngst vergessen hatte, einfĂ€llt, das kann er sich bis heute nicht erklĂ€ren.

Irgendwann ist Lothar dann doch wieder in den Trab gefallen. Obwohl er noch zweimal kurz gehen musste, wurde seine Stimmung war bestens. Die Strandpromenade von Cannes vor Augen fiel ihm wieder ein, was sein langjĂ€hriger Freund und vielfacher Laufpartner JĂŒrgen ihm mit auf die Strecke gegeben hatte: LĂ€chele, wenn du die Zielgerade in Cannes runterlĂ€ufst, jeder Marathon hat seine eigene Geschichte. „Ich habe gelĂ€chelt, zumal meine liebe Ute vor dem Ziel auf mich gewartet hat“, freut sich Lothar JĂ€ger.

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Ach ja, 4 Stunden und 13 Minuten zeigte die Uhr, so lange hat noch nie fĂŒr einen Marathon gebraucht, aber er war zufrieden ĂŒber meinen „vielleicht letzten“ Marathon. Bleibt noch anzumerken: Danke Bob fĂŒr deinen tollen Song, und danke JĂŒrgen fĂŒr den guten Rat.