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„Es musste was geschehen …“, sagte Norbert

Läufer mitten unter uns wie Norbert Fettback …..

Bis Mitte 20 spielte er FuĂźball, ehe ihn eine schwere Knieverletzung stoppte. Schluss mit Sport fĂĽr lange Zeit! Mit 49 Jahren zeigte die Waage dann 110 Kilogramm an, bei 1,77 Meter Körpergröße – Norbert Fettback wagte kaum noch, in den Spiegel zu schauen. Es musste was geschehen. Auch weil man als Sportjournalist eigentlich eine gute Figur machen sollte. Eine Geschichte, wie es sie öfter gibt …

So tat der langjährige HAZ-Sportredakteur in der Freizeit das Naheliegende: Laufen am Mittellandkanal gleich vor der Haustür. Für kleines Geld kaufte er sich 2002 ein Paar „Laufschuhe“. (Wie er später mitbekam, waren die eher fürs Tennisspielen geeignet.) „Anfangs habe ich es nicht mal von einer Kanalbrücke bis zur nächsten geschafft, ohne Gehpausen einzulegen und völlig aus der Puste zu sein“, berichtet er. Doch die Kondition wurde besser, und die Pfunde schmolzen.

Der Kick zum „richtigen“ Laufen kam mit der Fernsehserie „Von Null auf 42“. Darin wurden sieben Läufer und solche, die es werden wollten, auf ihrem rund einjährigen Weg bei der Vorbereitung auf den Marathon in New York begleitet. „Das schaffst du auch, wenn du willst“, sagte sich Norbert. Erste Wettkämpfe folgten 2003 mit dem Kanallauf des Post SV Hannover, 10 Kilometer in 52 Minuten, und 2004 mit dem Halbmarathon in Hiddestorf in 1:59 Stunden (mit noch 97 Kilogramm). Nach Plänen aus dem Internet begann er in eigener Regie mit der Marathonvorbereitung (mit dem Mittellandkanal als Hausstrecke), mit Ach und Krach ergatterte er über einen Kieler Reiseveranstalter noch einen Startplatz für New York – und dann war es im November 2005 so weit: der erste Marathon, und das in Big Apple. Im Ziel war er in 4:04 Stunden – Norbert, an der Strecke angefeuert von Tochter und Schwiegersohn, war fix und fertig und total happy.

(Berlin 2006)

Doch wie sollte es weitergehen nach dem ersten Marathon? War es das? Der Läufer braucht Ziele. Norberts Ziele lauteten: Halbmarathon unter 1:40 h (geschafft 2006 in Hannover), Marathon unter vier Stunden (geschafft 2008 in Hamburg), die fünf World Marathon Majors finishen (damals gehörte Tokio noch nicht zu dieser Serie und hätte ihn auch nicht gereizt; es wurden „nur“ die in New York/2005 und 2009, Berlin/2006, Chicago/2007 und Boston/2014. Verletzungen verhinderten die Starts in London im Olympiajahr 2012 und in Boston 2011, die Buchungsunterlagen landeten statt im Reisegepäck im Papierkorb.

(Chicago 2007, unten: Wien 2010)

Seit 2006 trainiert Norbert bei pingpank.de. „Das hat mich nicht nur läuferisch vorangebracht. Hinzugekommen sind auch Freundschaften, die bis heute Bestand haben“, sagt er. 2010, mit 56 Jahren, lief es beim gebürtigen Stendaler richtig rund. Er sammelte persönliche Bestzeiten auf den Distanzen, die für einen ambitionierten Freizeitsportler relevant sind: 5 Kilometer in 19:52 Minuten, 10 Kilometer in 41:16 Minuten, Halbmarathon in 1:33:11 Stunden und Marathon in 3:33:57 Stunden (Wien).

Berlin 2013

Hannover 2013

(Boston 2014)

Dabei ist es geblieben – nicht zuletzt, weil sich Verletzungen häuften. 2017 war so ein „Seuchenjahr“. Immerhin konnte er weiterhin Rad fahren – das Rennrad ist längst zu einer zweiten Leidenschaft und einer liebgewonnenen Alternative geworden. „Wenn mir das Schwimmen auch nur ein bisschen Spaß machen und das Kraulen nicht so kompliziert sein würde, könnte ich mich sogar mit einem Triathlonstart anfreunden“, erzählt Norbert.

Hiddestorf 2014 (oben), Lönsparklauf 2015 (unten)

FĂĽr dieses Jahr hat er den Halbmarathon in Hannover am 8. April im Blick. Sozusagen ein Neustart nach langwierigen gesundheitlichen Problemen wie einem Bandscheibenvorfall.

Hannover-HM 2016 (oben), Silvesterlauf 2017 (unten)

Was dann kommen könnte, muss sich noch finden. „Langfristig plane ich nicht mehr. Mit fast 65 Jahren muss man seine Vorhaben realistisch und überlegt angehen, erst recht, wenn der Körper schon wiederholt Signale gesendet hat, dass er nicht mehr alles mitmacht“, sagt er. Vielleicht doch noch einen Marathon nach bislang acht und dazu London erneut ins Auge fassen, um die fünf großen zu komplettieren? Das dürfte aktuell eher unwahrscheinlich sein. Aber ohne Laufen geht es auch nicht. Wichtiger denn je ist es für den Mittsechziger, sich Zeit für die Regeneration zu nehmen und Sport nicht allein mit Laufen gleichzusetzen. Dazu gehören zwingend regelmäßige Kraft- und Stabilitätsübungen, auch wenn das immer wieder Überwindung kostet.

Norbert Fettback ist nach zuletzt 25 Jahren als Sportredakteur bei der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ seit Mitte 2016 im Rentnermodus. Bei der HAZ-Vorbereitungsgruppe für den Hannover-Marathon und im „Laufblog“ der HAZ bleibt er der Läufercommunity weiterhin erhalten.