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Neustart fĂŒr Detlef Oppermann

Er ist ein eher zurĂŒckhaltender Mensch, hat viele LĂ€ufe absolviert, oft fĂŒr seinen Verein und seit mehreren Jahren auch fĂŒr …

Er ist ein eher zurĂŒckhaltender Mensch, hat viele LĂ€ufe absolviert, oft fĂŒr seinen Verein und seit mehreren Jahren auch fĂŒr Dets friends.

(Von Norbert Fettback, unter HAZ-Laufgruppe abgelegt am 6. Februar 2018 )

FrĂŒher hĂ€tte es das nicht gegeben. Aber frĂŒher war auch vieles anders bei Detlef Oppermann, dem begeisterten HobbylĂ€ufer aus Lehrte. Da hat er so gut wie nichts ausgelassen, war „von Pontius zu Pilatus“ unterwegs gewesen, wie er sagt, um es jĂ€hrlich auf bis zu 75 WettkĂ€mpfe zu bringen. Dass 2018 schon dreimal Punkte fĂŒr das HAZ-Ranking verteilt worden sind, ohne dass der 65-JĂ€hrige auch nur einmal zu einem dieser LĂ€ufe angetreten ist – ein Novum fĂŒr den frĂŒheren Seriensieger.

(Bild: Norbert Fettback, laufblog.haz.de)

Die ErklĂ€rung, die er dafĂŒr hat, wĂ€re ihm frĂŒher so nicht in den Sinn gekommen. „Ich versuche vernĂŒnftig zu sein und will es nicht mehr ĂŒbertreiben“, sagt Oppermann, der die regionale „Laufpass“-Serie, in der Schnelligkeit ebenso wie Ausdauer gefragt ist, in seiner Altersklasse von 2012 bis 2016 fĂŒnfmal in Folge gewann. Immer mit großem Vorsprung. FĂŒr die vielen Pokale findet sich bei ihm zu Hause im einstigen Arbeitszimmer kaum noch Platz. Urkunden unter Glas zeugen von den Erfolgen, auf die der Lehrter besonders stolz ist. Etwa die 38:43 Minuten ĂŒber zehn Kilometer oder die 18:42 fĂŒr den „FĂŒnfer“. Gelaufen 2012, da war Oppermann schon 60. Ein ewiger Traum fĂŒr viele, die halb so alt sind wie er. „Mein bestes Jahr mit tollen GefĂŒhlen“, sagt er rĂŒckblickend.

Aus seinen Worten ist etwas Wehmut herauszuhören, geschuldet der VergĂ€nglichkeit sportlicher LeistungsfĂ€higkeit im Alter. Aber auch eine Erkenntnis klingt an, fĂŒr die es zuvor in seinem Denken keinen Platz gab und die fĂŒr spĂ€te LernfĂ€higkeit spricht. Oppermann wollte all die Jahre immer mehr, gönnte seinem Körper kaum mal eine Pause, ignorierte Schmerzen. „FĂŒnfmal die Woche habe ich wie ein Besessener trainiert, dazu kam am Wochenende noch ein Wettkampf“, berichtet er. Gut gemeinte Hinweise, doch mal kĂŒrzerzutreten, schlug er hĂ€ufig in den Wind. „Ich habe immer mein eigenes Ding durchgezogen. Heute wĂŒrde ich das so nicht wieder machen.“

Auch ein Grund, warum sich Oppermann der 85-köpfigen HAZ-Laufgruppe angeschlossen hat. Hier finde er den Spaß und die Struktur fĂŒr ein „vernĂŒnftiges Training“, wie er sagt. Und er halte sich an die Vorgaben von Trainer Markus Pingpank, ohne selbst noch einen draufzusetzen.

 

Bei seiner Jagd nach Siegen und Bestzeiten musste erst einiges passieren, ehe Oppermann sich eingestand, dass er lange Zeit falschen Ehrgeiz entwickelt hatte. Da war zum einen die – zugegebenermaßen – höchst unglĂŒckliche Begegnung mit einem Mountainbike-Fahrer an einem Novembermorgen 2012. Beide prallten in der Dunkelheit frontal aufeinander, Oppermann wachte erst im Krankenhaus wieder auf. Die bei dem Unfall schwer in Mitleidenschaft gezogene HĂŒfte schmerzt heute noch. Ebenso wie das rechte Knie, wo sich Arthrose bemerkbar macht, was er lange Zeit ausblendete. Dann immer wieder Verletzungen, die ihren Ausgang im ĂŒbertriebenen Laufpensum oder in fehlender PrĂ€paration hatten, weil es nun mal nicht allein damit getan ist, die passenden Klamotten und Schuhe anzuziehen und loszulaufen. „Lauf-Abc oder Übungen, um sich locker zu machen, gab es bei mir nicht“, sagt Oppermann, der schon im Ruf stand, „untrainierbar“ zu sein. Der aber trotzdem ĂŒberaus erfolgreich war.

So kam alles zusammen, und das nicht nur einmal. Zuletzt vorigen Herbst beim RĂŒbenlauf in Hiddestorf: Nach sieben Kilometern zerrte er sich den rechten Oberschenkel, lief die restlichen drei Kilometer aber trotzdem weiter. Die BlĂ¶ĂŸe, ausgestiegen zu sein, wollte Oppermann sich nicht geben. Er zahlte dafĂŒr mit einem Muskelfaserriss im HĂŒftbereich. Dumm gelaufen. „Da habe ich endlich begriffen, dass es so nicht weitergehen kann.“

Jetzt also alles wieder auf null? Ein Neustart verbunden mit komplettem Umdenken? Fast. Oppermann sagt, er sei im Prinzip an dem Punkt wie im Jahr 2005, als er aus gesundheitlichen GrĂŒnden als ĂŒbergewichtiger Kettenraucher mit Bluthochdruck mit dem Laufen angefangen habe. Was so nicht ganz stimmt: Statt seinerzeit 85 wiegt er nur noch 62 Kilogramm, spult wöchentlich 40 bis 50 Kilometer ab und hat durchaus anspruchsvolle PlĂ€ne. Im Trikot des Post SV Lehrte will er am 8. April beim Halbmarathon in Hannover starten. Immerhin eine deutsche Meisterschaft, auch fĂŒr den Seniorenbereich. Er traut sich eine Zeit um 1:35 Stunden zu. Was wiederum zu einem Platz unter den besten zehn bei den ĂŒber 65-JĂ€hrigen reichen könnte.

Mit Oppermanns Ehrgeiz ist es also nicht ganz vorbei. Auch wenn er sagt: „Ich habe verstanden, wo es langgeht. Wichtig ist mir, dass ich ĂŒberhaupt laufen kann.“

Dieser Beitrag wurde unter HAZ-Laufgruppe abgelegt am 6. Februar 2018 von Norbert Fettback