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Umgeknickt – Sprunggelenk verletzt: Was tun?

Dr. Patrick Ansah ĂŒber eine der hĂ€ufigsten Sportverletzung

Ob Waldlauf oder eine Bordsteinkante, die Möglichkeiten mit dem Fuß umzuknicken, sind durchaus vielfĂ€ltig. Wir zeigen Ihnen, was Sie nach dem Umknicken beachten mĂŒssen und wie Sie Ihren Fuß schnell wieder belasten können.

Von Dr. med Patrick Ansah

Die Verletzung der BĂ€nder des Sprunggelenkes ist eine der hĂ€ufigsten Verletzungen im Sport. In den meisten FĂ€llen sind die AußenbĂ€nder betroffen. Gerade beim Sport kommt es zum typischen „Umknicken“ (auch als Distorsion bezeichnet). In der Regel kommt es zu einem Umknicken nach außen (Supination genannt). Dabei entsteht ein erheblicher Stress auf den Ă€ußeren Kapsel-Band-Apparat des oberen Sprunggelenkes.

Drei BĂ€nder verbinden den Außenknöchel mit dem Sprungbein und dem Fersenbein zur seitlichen Stabilisierung. Diese BĂ€nder werden beim Umknicken (Supinationstrauma) gezerrt oder reißen bei zu großer Krafteinwirkung. Dann kann das Gelenk nicht mehr stabil gefĂŒhrt werden. Zerreißt die Kapsel-Band-Strukturen, dann kommt es zusĂ€tzlich zu einer Einblutung ins Gewebe(HĂ€matom) und dadurch zu einer deutlichen Schwellung.

Wird dann die Belastung fortgefĂŒhrt, folgt eine entsprechende BlauverfĂ€rbung um den Außenknöchel. Es entwickelt sich ein Druckschmerz ĂŒber den betroffenen BĂ€ndern und das Auftreten schmerzt. Eine Diagnose sollte bei entsprechender Verletzung durch einen Arzt getroffen werden. Einer prĂ€zisen Untersuchung von Sehnen, Muskeln, Knorpel, Knochen und BĂ€ndern kommt eine enorme

Wichtigkeit zu, besonders zur Beurteilung von möglichen Begleitverletzungen. Zum Ausschluss eines Knochenbruchs kann eine Röntgenaufnahme nötig sein. Um die StabilitĂ€t zu beurteilen wird der Facharzt verschiedene Tests durchfĂŒhren. Eventuell kann eine Untersuchung mit einem „modernen“ UltraschallgerĂ€t angeraten sein. Eine Kernspinuntersuchung ist normalerweise nicht erforderlich. „Gehaltene Röntgenaufnahmen“ bei frischen Verletzungen gehören der Vergangenheit an, da sie in der Regel sehr schmerzhaft sind und keine sicheren Ergebnisse bringen. Liegen Verletzungen der Innenbandstrukturen oder der sogenannten Syndesmose (Verbindung von Schienbein und Wadenbein in der Höhe der Knöchelgabel) vor oder werden KnorpelschĂ€den vermutet, so kann eine Kernspintomographie (MRT) hilfreich sein.

Die PECH-Regel

Als Sofortmaßnahme nach dem Umknicktrauma sollte nach der bekannten PECH-Regel gehandelt werden: Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Das heißt Sport beenden, Hochlagern, KĂŒhlen und eventuell eine elastische Kompressionsbandage schon auf dem Sportplatz anlegen. So kann man schon mit einfachen Mitteln Schmerzen lindern und gegebenenfalls ein starkes Anschwellen verhindern.

In den ersten Tagen kann auch bei starken Schmerzen und Schwellungen die Einnahme von schmerz-lindernden und entzĂŒndungshemmenden Medikamenten sinnvoll sein. Aufgrund der besseren Wirkung ist jedoch Tabletten der Vorzug vor Salben zu geben. Viele SportĂ€rzten befĂŒrworten eine begleitende Therapie mit Enzymen.

Wurde vom Arzt eine Zerrung diagnostiziert und ist das Gelenk stabil, so reicht es zu kĂŒhlen, gegebenenfalls kann ein Schmerzmittel eingenommen werden. Nach dem Abschwellen und Verschwinden des SchmerzgefĂŒhls kann der Sport wieder ohne Probleme durchgefĂŒhrt werden.

Stabilisierung beim BĂ€nderriss

Sollte aber ein BĂ€nderriss vorliegen, so muss eine sofortige Stabilisierung durch eine Schiene erfolgen, damit die gerissenen BĂ€nder stabil verheilen können. Eventuell kann bei einer starken Schwellung anfangs auch eine kurzfristige Ruhigstellung in einem Gips nötig sein. Eine Spezialschiene sollte fĂŒr insgesamt 6 Wochen getragen werden, bis die nötige Festigkeit wieder vorhanden ist. Mit einer solchen Schiene kann der Fuß dann wieder normal belastet werden.

Mit der richtigen Reha wieder zurĂŒck ins Training

Gerade fĂŒr Sportler ist es wichtig, nach ein bis zwei Wochen wieder mit einem Trainingsprogramm zu beginnen. Aus diesem Grund kann eine unterstĂŒtzende Physiotherapie sinnvoll sein. Ziele sind die zĂŒgige Abschwellung und ein gezieltes Training der Stabilisierung und Koordination, um einer spĂ€teren InstabilitĂ€t und erneutem Umknicken vorzubeugen.

Moderne Spezialtapes (kinesiologisches Taping) können die Abschwellung unterstĂŒtzen, sie geben jedoch nur einen geringen Halt. Nach der Schienenbehandlung ist es am sinnvollsten, das Fußgelenk mit den klassischen Tape-Behandlungen beim Training oder Wettkampf zu stabilisieren.

Zusammenfassung (BĂ€nderriss)

Phase 1 (bis ca. 3./ 4. Tag)

Abschwellung, EntzĂŒndungs-/ Schmerzhemmung, Erhalt der Kondition

Phase 2 (bis 4 Wochen nach Trauma)

Wiederherstellung der vollen Belastbarkeit, freie Beweglichkeit, Gangbildnormalisierung

Phase 3 (nach 4 bis 6 Wochen, bzw. nach erreichen der Ziele von Phase 2)

Wiederherstellung der sportlichen Belastbarkeit Wird die Nachbehandlung konsequent ausgefĂŒhrt, so ist je nach Sportart nach ca. 10-12 Wochen auch die volle Wettkampfbelastbarkeit gegeben. Wird zu frĂŒh mit dem Training wieder begonnen, droht die Gefahr einer erneuten Ruptur. In den allermeisten FĂ€llen heilen Außenbandrisse bei konsequenter Therapie stabil und ohne Folgen aus. Operationen sind nur noch in wenigen Ausnahmen nötig (evtl. bei Hochleistungssportlern). Eine Operation ist nur in seltenen FĂ€llen nötig, wenn das Gelenk trotz konsequenter Therapie instabil bleibt und man immer wieder umknickt.

Werden alle diese Schritte eingehalten, so werden Sie wieder Freude am Sport haben.

Also bleiben Sie gesund!

 

So können Sie vorbeugen

Zahlreiche Rezeptoren im Fuß und den Gelenkkapseln kommunizieren mit Muskeln und BĂ€ndern, besonders vorne und außen am Unterschenkel. Sie können zuhause und draußen vorbeugen:

  • Einbeinig stehen, das Standbein leicht gebeugt, das andere Bein gestreckt nach hinten heben und ausbalancieren.
  • Einbeinig stehen, HĂ€nde ĂŒber den Kopf zusammenhalten, dabei das andere Bein nach vorn und hinten pendeln lassen, oder einige leichte Kniebeugen machen.
  • Übungen auf einem Wackelbrett oder Balance Pad.
  • Beine stehen leicht gebeugt in Schulterbreite, dann abwechselnd je einige Sekunden nur auf den Zehen oder auf den Fersen stehen.
  • Nutzen Sie das Wintertraining, um auf Feldwegen und im Wald die BĂ€nder und Muskeln zu stĂ€rken. Tempo steht hier nicht im Vordergrund. Je mehr wir uns den ersten FrĂŒhjahrwettkĂ€mpfen nĂ€hern, können auch Sprinteinheiten am Berg eingebaut werden.
  • Barfusslaufen

Ab sofort das Lauf-ABC (wieder) ins Training einbauen.

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