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Zum dritten Mal durch die WĂŒste

Stephan Perpeet und Jutta Eis beim 28. Marathon des Sables 2013

Nach drei Jahren ohne WĂŒste wollten Stephan Perpeet und Jutta Eis das Abenteuer Marathon des Sables noch einmal angehen. Schon vor drei Jahren haben sie die damals 250 km des extrem harten Kultlaufes absolviert (siehe http://www.laufshop.de/zwei-hannoverander-beim-marathon-des-sables/).

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Mit beeindruckenden Bildern aus 230 km sind die sympathischen UltralĂ€ufer von ihrem dritten „MdS“ zurĂŒckgekehrt.  Stephan berichtet:

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Die Vorbereitung war dieses Jahr nicht optimal. Der lange und kalte Winter ließ nur wenige lange LĂ€ufe und WettkĂ€mpfe zu ohne Verletzungen zu riskieren. Dennoch war die Stimmung beim Abflug am 4. April sehr gut. Man trifft die meisten der deutschsprachigen Teilnehmer schon in Frankfurt und den Rest dann auf dem Flughafen in Casablanca. Nach einer kurzen Nacht und einem gemeinsamen FrĂŒhstĂŒck in Ouarzazate ging’s dann endlich mit Bussen in die WĂŒste Richtung erstes Biwak.

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Das fröhliche Schnattern im Bus endet abrupt als die Roadbooks ausgegeben werden. Alle wollen jetzt wissen, wie sich die Etappen aufteilen und vor allem, wie lang die Königsetappe diesmal ist. Mit knapp 76 Km ist sie im normalen Bereich und auch die anderen Streckenabschnitte sehen erstmal machbar aus.

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Dann kommt aber doch noch der erste Schock: Es wird bedrohlich dunkel. Der Horizont verschwindet im Sandsturm. Regentropfen prasseln an die Busscheiben; nicht sehr stark, aber auf Regen ist keiner vorbereitet. Sofort hat man die Bilder von 2009 im Kopf, als die WĂŒste im Wasser regelrecht unterging. Nach ca. 20 Minuten ist der Spuk vorbei, der Himmel bleibt aber grau.

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Am nĂ€chsten Tag erfolgt der Check-In mit GepĂ€ckkontrolle und kurzem GesprĂ€ch bei den Doctrotters, die die LĂ€ufer auch wĂ€hrend des Wettkampfes medizinisch betreuen. Alle Helfer opfern ihren Urlaub. Viele sind ebenso wie die LĂ€ufer „WiederholungstĂ€ter“ und immer wieder dabei. Die Helfer leisten tolle Arbeit, unterstĂŒtzen, feuern an, trösten und wischen auch mal TrĂ€nen weg. Danke fĂŒr alles!

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Am Nachmittag gibt es dann die letzten Informationen vor dem Lauf und das Vorstellen der Favoriten. Am Sonntagmorgen 9:00 Uhr fĂ€llt dann endlich der Startschuss. Ein sehr emotionaler Moment fĂŒr alle Teilnehmer. So lange Vorbereitungen, so viel Aufwand fĂŒr diesen Moment. Es geht los!

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Die erste Etappe ist diesmal mit 37 Km ungewöhnlich lang. Vor dem ersten Checkpoint merke ich schon, dass meine Schuhe nichts taugen, der Sand sammelt sich trotz der Gamaschen stetig darin. Schon machen sich die ersten Blasen bemerkbar. Na super, nur noch 230 km! Am Abend klebe ich alle Zehen und die Fersen mit Tape ab, das muss jetzt die ganze Strecke halten. Auch Jutta hat schon nach der ersten Etappe die FĂŒĂŸe sehr kaputt. Keine guten Voraussetzungen fĂŒr die nĂ€chsten Tage.

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Die zweite Etappe ist nur 31 Km lang, hat es aber vom Höhenprofil in sich. Insgesamt drei ordentliche Anstiege sind zu bewĂ€ltigen. Man lĂ€uft viel an Abbruchkanten und sogar ĂŒber einen Kamm, der zum ersten Mal in die Strecke integriert wurde. Die Aussicht ist grandios, aber es ist extrem anstrengend. Vor allem der Anstieg auf die letzte DĂŒne, stellenweise mit Seilsicherung und Klettereinlagen und einem Abstieg ĂŒber schwarze Felsen durch eine enge Schlucht, ist heftig. Jutta ist schon ziemlich geschafft, die ersten beiden Etappen fordern ihren Tribut. Der Tag war eine echte Schinderei!

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Die dritte Etappe ist 38 km lang und landschaftlich relativ unspektakulĂ€r. Die meisten wollen sich heute auch nicht völlig verausgaben, schließlich steht am nĂ€chsten Tag die Königsetappe an.

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Nach einer unruhigen Nacht ist der erste Start der Langetappe um 9:00 Uhr. Die besten 50 MĂ€nner und 5 Frauen starten drei Stunden spĂ€ter. Nach sechs Stunden hat mich der fĂŒhrende Mohamad Anhansal eingeholt. Er lĂ€uft also mal eben doppelt so schnell wie ich. Mit einer Mischung aus Bewunderung und Frust schaue ich ihm hinterher. Was soll’s, weiter geht’s. Der Tag ist mit gut 50 Grad Celsius bei hoher Luftfeuchtigkeit sehr heiss. Zum ersten Mal habe ich feuchte Haut in der WĂŒste. Normalerweise ist es so trocken, dass der Schweiss sofort verdunstet. Viele LĂ€ufer mĂŒssen schon frĂŒhzeitig lĂ€ngere Pausen an den Checkpoints einlegen.

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Mit der DĂ€mmerung kann ich einen wunderschönen Sonnenuntergang bewundern und laufe dann durch die sternenklare Nacht. Das ist fĂŒr mich der schönste Teil des ganzen Laufes. Es ist anstrengend, aber unglaublich schön. Eine Nacht in der WĂŒste ist jede Anstrengung wert. Gegen 2 Uhr Nachts erreiche ich das Biwak. Ein toller Moment! Wenn die lange Etappe geschafft ist, hat man das GefĂŒhl, man kann jetzt auch finishen. Toller Moment! Die meisten meiner Zeltkollegen sind auch gerade angekommen. Noch kurz etwas essen und dann in den Schlafsack.

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Stephan im Ziel

In den frĂŒhen Morgenstunden kommt auch Jutta an. Sie ist die ganze Strecke gemeinsam mit einem Zeltkollegen gegangen. Sie haben an einem Checkpoint 2 Stunden biwakiert („die FĂŒĂŸe taten so weh“) und dann den Rest der Etappe bei Tageslicht bewĂ€ltigt. Den restlichen Ruhetag verbringen viele mit dem Verarzten der FĂŒĂŸe oder einfach nur liegen und ausruhen. Man glaubt gar nicht, wie schnell so ein Tag rumgeht. Wer noch laufen kann, geht zum Ziel, wenn am Abend dann die Letzten erwartet und von allen bei der Ankunft gefeiert werden.

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Die fĂŒnfte Etappe ist klassisch ein Marathon. Diesmal ist es auch der Abschluss der offiziellen Wertung und das Ende der Selbstversorgung. Im Ziel wartet Patrik Bauer, der wie jedes Jahr allen LĂ€ufern, vom ersten bis zum letzten, gratuliert und die Finisher-Medaille umhĂ€ngt. Patrik Bauer ist praktisch der Marathon des Sables. Man spĂŒrt einfach das Herzblut, das in der ganzen Organisation steckt. Und die LĂ€ufer lieben ihn dafĂŒr.

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Dieses Mal gibt es sogar ein 3-GĂ€nge Abendessen inklusive Rotwein mitten in der WĂŒste. Ja, das können die Franzosen wie kein anderer. FĂŒr Jutta war diese Etappe noch einmal richtig hart, aber bei Einbruch der DĂ€mmerung hat sie es auch ĂŒberglĂŒcklich geschafft. Jutta will nur noch in den Schlafsack. Ich gönne mir noch das Abendessen, natĂŒrlich inklusive Rotwein, in der WĂŒste.

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Die Schlussetappe ist als Charity-Lauf nur 7,7 km lang und ohne Zeitwertung. Alle bekommen ein blaues Unicef T-Shirt und dann geht es auf die letzten Kilometer durch die WĂŒste. Nach etwas mĂŒhsamem Loshumpeln geht es dann doch ganz gut. Die Stimmung ist gelöst. Alle machen Fotos, sammeln noch ein bisschen Sand oder stehen einfach nur da, um diese unglaubliche Landschaft zu bewundern.

Die DĂŒnen von Merzouga sind einfach  grandios und irgendwie kommt uns beiden der Gedanke, dass man das noch mal machen könnte …

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